Kurzübersicht

*1985 in Gasalkent, Usbekistan

1989 nach Deutschland emigriert

1992 bis 2013 in Stuttgart gelebt

2008 Steinbildhauergesellin bei Firma Lindenberger in Stuttgart.

2012 Ausbildung zur staatl. gepr. Grafik-Designerin

Nach Abschluss der zweiten Ausbildung nach Konstanz gezogen

Arbeit als Restauratorin von Naturstein und Beraterin für geschlechtliche Vielfalt

Künstlerische Orientierung

Schon als Kind habe ich gerne gemalt. Meine Zeichnunge waren etwas detailierter als die meiner Klassenkameraden. Die ersten Motive waren Dinosaurier, Tiere und „Monster“. Bis heute male ich gerne außergewöhnliche Wesen. So klein ich auch war, so gerne hab ich mir schon Horror- und Fantasyfilme angeschaut. Besonders solche mit Monstern und Fantasiewesen. In meiner Jugend (12 bis 25 Jahre) waren meine am häufigsten genutzten Werkzeuge Bleistift und Bundstifte.

Die Ausbildungen zur Grafikdesignerin und Bildhauerin gaben mir viel wertvolles Werkszeug für kreative Arbeit in die Hand. Insbesondere wurden Vielfalt an Materialkenntnissen und Techniken erweitert. Die Freude am Experimentieren mit Farben, Collagen und verschiedenen Materialien ist stetig gewachsen. Auch aus persönlichen Gründen, die ich hier nicht ausbreiten möchte war für mich das Jahr 2012 eine Art Neubeginn. Einer von mehreren. Da entstanden die ersten Bilder, von denen heute manche auf dieser Website zu sehen sind.

Nach dem Umzug nach Konstanz, hat es eine Weile gedauert bis der Pinsel wieder meine Hand und die Leinwand verband. Das lag vor allem an unterschiedlichen Wohnsituationen und einem holprigen Selbstfindungsprozess. Von 2012 bis 2015 bin ich 4 mal umgezogen und Ende 2018 noch einmal, in die Wohnung in der ich jetzt wohne. In meiner ersten WG in Konstanz habe ich nur 1 Monat verbracht bevor ich wieder umziehen musste. In Konstanz ist das besonders für Studenten nicht ungewöhnlich. Nachdem ich mein Elternhaus verlassen hatte, hat es nicht lange geedauert, bis ich mich geoutet hab. Damals hab ich mich zum ersten mal mit dem Thema geschlechtliche Vielfalt beschäftigt.

Diese Zeit war das reinste Durcheinander und ich hätte sie viel schlimmer erlebt, wenn damals nicht eine ganz besondere Frau bei mir gewesen wäre. 2015 schien die Lage stabil. Ich hatte wieder angefangen zu malen. Meine finanzielle Lage war nicht schlecht und ich konnte mir Leinwände und genügend Akrylfarben leisten. Meine Bilder wurden sehr großflächig und hatten einen spontanen, abstrakten Stil. Auf Grund eines 40-Stunden-Jobs als Steinmetzin im Bau, blieben jedoch nicht viel Zeit und Energie.

Endgültiges Coming-out

Die Stabilität hielt nicht lange an. Die Errungenschaften eines normativen Lebens, schöne Wohnung, Auto, Partnerin, genug Geld halfen nicht darüber hinweg, dass ich mich absolut leer fühlte. Diese „Errungenschaften“ waren aufgepfropft und fühlten sich an wie eine Last. Mich gab es nicht, nur die Funktion, die ich im System erfüllte. Mein Körper, meine Seele, mein ganzer Leib waren verkümmert. Als es nicht mehr ging, stellte ich mich vor die Wahl: Entweder Echtheit oder Tod. Ich outete mich, die Frau ging, es folgte ein weiterer Umzug.

In dieser Zeit sind viele meiner heutigen Bilder entstanden. Die Wände meines Wohnzimmers hatten immer weniger Platz und es ging mir immer schlechter, denn die Trümmer eines normativen Lebens wiegen schwer. Die Arbeit wurde anstrengender. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen mich zwar nicht offen ablehnten, doch den Grund für meine medizische Transition nicht nachvollziehen wollten. Anfang 2019 begann ich mit der Hormontherapie. Die physischen Veränderungen zeigten sich nur langsam.

Ende 2019 stürzte ich in eine psychische Krise. Die 40-Stunden-Arbeit, der herablassende Umgang mit mir am Arbeitplatz, die ständigen Geldsorgen und ich kam mit der Transition nicht weiter. Das war das schlimmste und hat mir fast den Rest gegeben.

Gegenwart und Zukunft

2020 bin ich der Krise nicht ganz entkommen. Zumahl in diesem Jahr die ganze Welt in einer Krise steckte. Es galt noch eine Menge Balast loszuwerden. Ich investierte viel Zeit in die Überarbeitung meiner Erwatungen an Arbeit, Freunde, Familie und Gesundheit. Ich bin weiterhin tätig als Handwerkerin aber nicht mehr vierzig Stunden. Statt dessen arbeite ich auch mit Menschen. Als Peer-Beraterin erfülle ich diesen Anspruch bereits. Da selbst betroffen, beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema geschlechtliche Vielfalt. In den vergangenen Jahren hat sich viel bewegt und doch sind schlimme Vorurteile und Desinformationen bis heute noch weit verbreitet. Ein Grund warum ich große Hoffnungen in die Zukunft setze, ist die Arbeit im Verein BGV e.V.. Mit einer Kombination von Evidenzbasierung (Joanna Briggs Institute) und Ethik (nach Emmanuel Levinas) schlägt der Verein genau in die richtige Kerbe.

Peer-Beratung

Seit dem Comming-Out habe ich viele Hyrden überwunden. Ich bin den schweren Weg der Echtheit gegangen. Vollgende Punkte qualifizieren mich als Peer-Beraterin:

  1. Peer-Beratung als Transsexuelle/Transgender
  2. Schulung durch Dr. Dr. Claudia Haupt alle 2 Wochen, 2h Einheiten seit Mai 2020
  3. Supervision monatlich bis 2 monatlich und je nach Bedarf bei Dr. Dr. Claudia Haupt.
    und Intervisionen mit Kolleginnen der Fachstelle.
  4. Anbindung an das Beraterportal des BgV, mit der Möglichkeit jederzeit bei Bedarf fachliche
    Unterstützung zu bekommen.
  5. Am Qualitätszirkel des LSBTTIQ+ – Netzwerks Baden-Württemberg teilgenommen hab ich
    im September 2020 und am 27.02.2021 und beabsichtige auch weiter daran teilzunehmen
  6. Beispiele für Fachliteratur, die ich gelesen habe oder bei Bedarf herbei ziehe:
    Das Geschlecht in mir, Neurowissenschaftliche, Lebensweltliche und theologische Beiträge
    zu Transsexualität
    Hrsg. Gerhard Schreiber
    Psychotherapeutische Arbeit mit trans* Personen, Handbuch für die Gesundheitsversorgung
    Günther, Teren, Wolf
    Depression, Psychodynamik und Therapie
    Will, Grabenstedt, Völkl, Banc
    Medizinische Statistik für dummies
    Geraldine Rauch et al
  7. Seit Ende 2017 bin ich geoutet, identifiziere mich selbst als trans*Frau oder einfach als Frau
    und hab seit dem jede Hilfe in Anspruch genommen, die ich finden konnte. Ich war in der
    Beratungsstelle des LSBTTIQ-Netzwerkes in Ulm, bei zwei verschiedenen
    Psychotherapeutinnen hier in Konstanz, bei 2 verschiedenen Psychiaterinnen im GPZ, habe
    kunsttherapeutische Unterstützung im offenen Atelier am ZFP-Reichenau bekommen und
    war in der psychosomatischen Klinik in Singen. Seit Anfang 2018 hab ich regelmäßig die
    SHG-Hegau (inzwischen die SHG des VDGE) besucht. Auch zu meinem Hausarzt hab ich
    einen guten Draht und er unterstützt mich und andere transgender-PatientInnen so gut es
    geht. Ich bin mit dem Verfahren der Namens- und Personenstandsänderung vertraut und
    kenne die GutachterInnen in der Region. Ich kenne die medizinischen Leitlinien und habe
    Kopien, sowohl von Center of Excellence for Transgender Health, WPATH, AWMF als auch
    TGEU und den Begutachtungsleitlinien des MDS. Ich hab Kontakt zu EndokrinologInnen
    hier in Konstanz und in Radolfzell, beteilige mich an Diskussionen bei Online-Sitzungen,
    Facebookgruppe und Twitter.
    Zum Thema Intersektionalität: Ich wurde in Usbekistan gebohren und meine Eltern sind mit
    mir 89 nach Deutschland immigriert. Ich weis zumindest ein wenig wie es ist, sich
    entwurzelt zu fühlen und meine Eltern wissen noch besser wie es ist, sich ein neues Zuhause
    aufzubauen, während die Sehnsucht nach dem alten Zuhause nicht versiegen will.
    Außerdem hab ich Kontakt zum Café Mondial hier in Konstanz, das mit der Refugee Law
    Clinic kostenlose Rechtsberatung für Geflüchtete anbietet.
    Zum Thema Arbeit:
    Da ich als Handwerkerin in einer Männerdomäne arbeite, nämlich dem Steinhandwerk gab
    und gibt es auch hier Konflikte aus denen ich Erfahrungen ziehen kann. Im Baugewerbe
    kommt es auch nicht selten vor, dass man sich im Winter eine neue Arbeit suchen muss. Ich
    habe Erfahrung im Kontakt zum Arbeitsamt und bin als Klientin im Supported Employment
    Programm des GPZ gewesen, das ich jedem empfehlen kann der sich in einer psychischen
    Krise befindet und mit der Arbeitswelt nicht zurecht kommt.

Beratungsstelle geschlechtliche Vielfalt e.V.

Das Geschlecht in mir, ein Buch das den wissenschaftlichen Stand zum Thema Transsexualität in diversen Beiträgen vieler Autoren gut verständlich darstellt.

TransDok – Projekt: „TransDok ist ein QUALITATIVES, DGHCE-Forschungsprojekt gemäß den Prinzipien der NARRATIV-BASIERTEN Medizin

Guidelines for the Primary and
Gender-Affirming Care of
Transgender and Gender
Nonbinary People
Center of Excellence for Transgender Health
Department of Family & Community Medicine
University of California, San Francisco